Acid House ist eine untergeordnete Stilrichtung der House-Musik und wurde 1985 in Chicago entwickelt, kam aber erst 1987 nach Europa.
Unter Acid-House versteht man minimalistische House-Musik mit einem pumpenden "four to the floor" Beat. Dieser Beat hat eine Geschwindigkeit von 118 bis 135 BPM. Sie ist jedoch auf den Rhytmus von Klangspielern reduziert. Die Tracks des Acid.Houses sind meist gesangslos, bauen sich langsam auf und steigern dann ihre Intensität, ein schriller Klang mit fülligen Höhen, bis zum Break. Auf die Loops werden oft Echos und Back Spins gelegt. Zu diesen kommt noch der charakteristische synthetische Acid-Sound. Unter diesem versteht man ein stark moduliertes Blubbern und Zwitschern, dass mit einem Bass-Synthesizer erzeugt wird. Dieser Sound kann sich im Laufe eines Tracks von tonalen Basstönen zu atonalen kreischenden Sounds verändern(z.B.: Josh Wink- Higher States of Consciousness). Im Acid-House kann es auch vorkommen, dass pentatonische Tonsequenzen monoton wiederholt oder hohe Frequenzen durchgehend abgepielt werden. Dieses kann beim Zuhörer zu tranceartigen Effekten führen. Im Acid-House sind im Gegensatz zu andern House-Arten keine Discoeinflüsse mehr zu hören bzw. zu spüren.
Die eigentlichen Erfinder des Acid-Houses sind DJ Pierre und Earl "Spanky" Smith, beide aus Chicago stammend. Mit einem, im Jahre 1981 entwickelten Klangerzeuger, versetzten sie dem Acid-House einen härteren Drive. Anfangs hatten die Beiden einen 15 Minuten langen Drumtrack programmiert, zu dem DJ Pierre spielerisch eine Bassline modulierte. Dann gaben sie diesen Track DJ Ron Hardy, der damals im Chicagoer Club Warehouse auflegte, und er baute ihn in sein Set ein. Das Publikum nahm diesen euphorisch auf.
Nach dem was erzählt wird, sprach das Publikum bald nur noch von Ron Hardys Acid-Tracks. Angeblich kam der Name Acid im Zusammenhang mit dem Acid-Rock zustande, der mit ähnlichen Sounds experimentierte. Das Publikum jedoch verband Acid aber eher mir der gleichnamigen Droge. Die Musik erinnerte viele an ihre Trips und somit half diese den Drogen auch "noch berühmter" zu werden. "noch berühnter" deswegen, weil es auch schon vorher in der Discoszene Drogen gegeben hatte.
1986 folgten dem Track die ersten regulären Veröffentlichungen des Stils, wie z.B. Sleazy Ds "I've Lost Control". Acid House überholte mit dem Erfolg bald den Chicago House und wurde schnell zum "Star" der amerikanischen Undergroundszene. Erst im Jahre 1987 erschien, neu produziert von Marshall Jefferson, "Acis-Tracks" neu, jedoch unter den neuem Namen "Phuture", denn DJ Pierre und Earl Smith schlossen sich 1986 mit Herbert "Herb J" Jackson zusammen, bei Trax Records. Da Phuture versuchten sich gegen das Drogenimage einzusetzten, enthielt die B-Side von "acid-Tracks" den Track "Your Only Friend", das von einem Drogenopfer handelt.
1987 begann der House sich auch in Europa auszubreiten und gleichzeitig brachten brittische DJ´S den House auch von ihren Ibiza-Urlaub erstmals nach England mit. Im "Project Club" fing Paul Oakenfold an, die ersten Afterhour-Partys zu machen, auf denen jedoch anfangs ausschließlich Chicago und New York House lief. Rasend schnell hatte sich House Musik auf der Insel ausgebreitet und es wurden immer mehr Partys veranstaltet und immer mehr neue House-Clubs wurden eröffnet. Die ersten House-Hits, die es auf Platz eins der brittischen Charts geschafft hatten, waren "Jack Your Body" von Steve "Silk" Hurley und "Pump Up The Volume" von MARRS.
November 1987 eröffnete in einem alten Londoner Fitnessclub, "The Shoom", woraus sich eine eigene englsiche Acid-Clubkultur bildete. "the Shoom" sollte zum Treffpunkt der Acid-Anhänger werden und ihr Maskottchen der Partys, der Smiley "J", sollte zum Symbol der Acid-Bewegung werden. Beginn 1988 begannen alternative, später sogar Massenmedien über diese Partys zu berichten. Im Verlauf dieses Jahres sollte der Medienhype zur größten brittischen Jugendkultur seit dem Punk werden und als zweiter "Summer Of Love" in die Geschichte eingehen. Aber nicht nur auf dem amerkikansichen Kontinent wurde Acid-House immer berühmter, auch in Europa tanzte man bald zu Tracks, wie "Theme From S-Express". "The Only Way Is Up" und "Beat Dis". Diese stürmeten des europäischen Plattenmarkt und auch Deutschland erlebete sogar eine Acis-House-Welle, über die man sogar in dem Jugendmagazin "Bravo" lesen konnte.
Die Acid-Welle in Großbrittanien sollte jedoch ein schnelles Ende finden, denn mit der Housemusik kam auch das Ecstasy nach England und verschaffte den Tänzern einen einzigartigen Trip. Da die Presse nicht nur einmal über diese Drogenexzesse berichtete, wurde der Hype zur Hysterie und die Polizei führte wiederholt Razzien durch und löste die Partys auf. Auch die Smiley-Maskottchen-Waren verschwanden schnell wieder aus dem Sortiment der Warenhäuser.
Im Oktober 1988 weigerten sich sogar Sender, wie der BBC, Spitzenreiter, wie D Mob mit "We Call It Acieed", auszusenden. Es wurde sogar ein Verbot dieser Musik diskutiert, denn überall fanden selbstorganisierte heimliche Partys mit der Musik statt. Doch das Verweigern des BBC´S führte, besonders in London, zu einer riesen Anzahl von Piratensendern, die diese Musik spielten. Jedoch Mitte 1989 löste "Rave" den Acid als neue Jugendkultur ab.
Die kurze Acid-House-Welle hatte jedoch auch langzeitige Nachwirkungen. Der Grundstein einer britsichen Undergroundszene war gelegt, viele Dance-Labels wurden gegründet und noch heute gibt es Piratensender, die dafür sorgen, dass musikalische Strömungen sich in Großbrittanien schneller durchsetzten als in Kontinentaleuropa.
In europäischen Clubs blieb der Acid-House weiterhin erfolgreich und viele Musiker bauten den Acid-Sound in Techno- und Trancetracks ein. Auch im Underground kam es dadurch immer wieder zu Acid-Revivals, die auch mit neuen Stileinflüssen experimentierten.